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14. November 2019

Liebe vs Bedürftigkeit - Ein psychologischer Grund für Trennungen

Es ist kein Geheimnis, dass viele Ehen scheitern und genauso gehen Beziehungen oft auseinander. Aber warum? In vielen Fällen gibt es sicher einen guten Grund – ich bin kein Advokat davon, dass eine Beziehung oder Ehe bis in alle Ewigkeit halten muss. Man entwickelt sich auseinander und entschließt sich, getrennte Wege zu gehen.

Allerdings enden viele Beziehungen in einem großen Krachen und Brechen. Funken sprühen und es stellt sich die Frage, wie konnte es dazu kommen? Wie hat sich Liebe in Hass, Freude in Unmut und ein Gefühl der kribbelnden Leichtigkeit in Schwere verwandelt? Übersehen wir hier etwas, gibt es vielleicht eine tiefere Dynamik, die dem zugrunde liegt?

Die kurze Antwort: ja. Die lange Antwort erläutere ich in den nächsten Absätzen.

Was ist Liebe?

Es geht hier um eine Grundsatzfrage. Wie so oft bei GoneConscious wollen wir die Themen nicht nur oberflächlich betrachten, sondern wirklich bis zum Grund vordringen. Nur an der Wurzel finden wir das nachhaltigste und kraftvollste innere Wachstum.

Die Frage ist: Was ist Liebe? Was ist das, was einer romantischen Beziehung (theoretisch) zugrunde liegt? Ist es ein Gefühl oder vielleicht doch mehr?

Letzte Warnungen: wir reden hier nicht über spirituelle Erfahrungen, sondern was zwischen zwei Partner passiert und die Antwort mag keine Romantische sein.

„Ich brauche meinen Partner“

Ganz am Anfang, wenn wir uns verlieben, sind wir oft wie verwandelt. Wir schweben auf Wolke 7, alles scheint perfekt und wir könnten die Welt umarmen. Verliebt-Sein ist aber keine Liebe. Dieser Zustand ist auch nichts Beständiges und wenn er uns langsam verlässt, wird die Beziehung auf einmal schwerer, da unsere alten persönlichen Muster wieder stärker an den Tag treten. Und genau hier fangen viele von uns an, Liebe mit anderen Dingen zu verwechseln.

Einfach gesagt: der Unterschied liegt in einem „Ich will meinen Partner.“ vs. ein bewusstes oder unbewusstes „Ich brauche meinen Partner.“ Diese Verwechslung ist verständlich, denn wer von uns hat sich selbst wirklich einmal erkundet und kennt die vielen persönlichen Muster, die unter dem Schleier einer Ich-Identifikation operieren.

Wir alle haben „Löcher“ in unserer Psyche. Wurzeln im Unbewussten, die uns sagen, dass wir nicht genug, wertlos oder unfähig sind. Manche davon sind offensichtlich, manche verstecken sich unter dem Gegenteil. Der Punkt ist, dass wir Bereiche in unserer Psyche haben, in denen wir uns nicht vollständig fühlen. Und diese projizieren wir unbeholfen auf unsere Beziehungen.

Unsere Löcher

Wie gesagt, diese Dynamik versteckt sich ohne groß genuges Bewusstsein schnell vor unseren Augen. Viele dieser Punkte kommen aus Kindheitstagen und wir haben seitdem Umgangsstrategien dafür entwickelt. Wir haben z.B. gelernt unsere Bedürfnisse zu verstecken und setzen das in unserer Beziehung fort. Folglich werden sie nicht erfüllt und in uns baut sich Unmut und Widerstand der anderen Person gegenüber auf, ohne dass wir den Grund dafür kennen. Oder wir haben nicht genug Autonomie in unserer Kindheit erlebt und nun widersetzen wir uns unterschwellig allem, was unser Partner von uns will.

Das sind nur zwei Beispiele. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten. Gemeinsam haben sie, dass wir unbewusst Kindheitserfahrungen auf unseren jetzigen Partner projizieren. Wir befinden uns auf einem Feldzug unsere „Nicht-Genug“- und „Wertlos“-Löcher zu stopfen und wenn das nicht funktioniert, verbleiben wir mit Kompromissen oder unerfüllten Wünschen und Hoffnungen, Wut und Hass. Wir verlassen die Beziehung, auf der Suche, irgendwo anders endlich Erfüllung zu finden.

Lösung im Teufelskreis

Es ist unschwer zu erkennen, dass dieser Kreislauf nicht funktionieren wird. Auch bei der nächsten Person, treten genau die gleichen Probleme wieder auf. Denn wir beschäftigen uns nicht mit dem wirklichen Problem. Es ist, als ob wir ein gebrochenes Bein haben und Alkohol trinken um den Schmerz zu lindern. Funktioniert der Alkohol nicht mehr, wenden wir uns anderen Drogen zu. Nicht jeder erlebt dies so dramatisch, allerdings hat meiner Erfahrung nach fast jeder etwas davon in sich.

Was ist also die Lösung? Letztlich hilft nur größeres Bewusstsein und die Willigkeit, Verantwortung für die eigenen inneren Prozesse zu übernehmen. Ein Startpunkt ist zu beobachten, wann „brauche“ ich meinen Partner und wann „will“ ich ihn oder sie.

Wenn ihr euch beobachtet, macht euch bitte nicht schlecht dafür. Weder du noch der Anteil in dir hat Schuld daran. Schuld, Scham oder es „sofort verändern zu müssen“, führt nur dazu, dass ihr die Nuancen bei der Beobachtung verpasst. Und die braucht ihr, denn der Unterschied ist oft nicht so einfach zu erkennen. Fragt euch am besten, ob ihr okay damit wärt, wenn eurer Partner euch nicht das gibt, was ihr gerade von ihm wollt. Wenn ihr nicht okay wärt, zeigt Neugierde. Warum ist das so? Neugierde bringt euch auf den richtigen Weg.

Aber was ist Liebe?

Wir wissen jetzt, was keine Liebe ist. Aber was ist dann Liebe? Das ist wichtig, damit wir eine Alternative gegenüber der Bedürftigkeit haben.

Was wir normalerweise als Liebe zwischen zwei Partnern bezeichnen ist ein Gefühl. Was wir dabei normalerweise verpassen ist, dass das Gefühl ein Resultat ist. Nicht das Resultat durch die andere Person - ein Resultat von uns. (Hatte ich erwähnt, dass die Antwort vielleicht unromantisch ist?)

Liebe ist wie eine Pflanze. Wird sie einmal nicht gegossen, passiert nichts, aber nach längerer Zeit geht sie ein. Ich sehe Liebe gerne als Entscheidung, denn das bringt eine ganz eigene Orientierung mit sich.

Ich kann mich jeden Tag entscheiden, liebe ich meinen Partner oder nicht? Nehme ich mir die Zeit, Dinge zu tun, die meine Liebe ausdrücken? Lerne ich Liebe so ausdrücken, wie mein Partner es als Liebe versteht? Worauf fokussiere ich mich bei meinem Partner? Dinge, die mich stören oder was ich an ihm mag? Welche Gedanken denke ich über ihn? Für welche Dinge ihm oder ihr gegenüber gebe ich meine Energie?

Wenn ich die Erwartung habe, dass die Pflanze von alleine wächst, wird sie langsam und unbemerkt vergehen und nach ein paar Wochen, Monaten oder Jahren werde ich und mein Partner auseinandergehen und mich fragen, wie es dazu kommen konnte. Gieße ich die Pflanze allerdings jeden Tag, wenn auch mit kleinen Dingen, wird sie groß und stark erblühen.

Wolf-Parabel -  Eine Indianerweisheit

Ein alter Indianer schaut mit seinem Enkel schweigend in ein Lagerfeuer. Nach einer Weile sagt er:

„In jedem von uns tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen.“ Fragend schaut ihn der Enkel an.

„Der eine Wolf kämpft mit Neid, Eifersucht, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Lügen, Überheblichkeit, Egoismus und Missgunst.

Der andere Wolf kämpft mit Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung, Gelassenheit, Güte, Mitgefühl, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Vertrauen und Wahrheit.”

Der Enkel fragt: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt?“

Der alte Indianer schweigt für eine Weile und sagt dann:

„Der, den du fütterst.“

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